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StabiCheck: Nora von Nuala O'Connor

Jan 20 2022

Nuala O’Connor schildert in "Nora" das Leben von James Joyce und seiner Lebensgefährtin Nora Barnacle.

Medium: Buch
Genre: Biographie, englischer Roman
Altersempfehlung: Erwachsene
Umfang: 459 Seiten und 12 Seiten
Standort: 2. OG, Roman englisch Biographie Odon
Das Medium im Katalog: Verfügbarkeit prüfen
Klappentext: Nora Barnacle ist zwanzig und Zimmermädchen in einem Dubliner Hotel, als sie den zwei Jahre älteren James Joyce kennenlernt. Aus der zunächst körperlichen Beziehung entwickelt sich eine tiefe Liebe. Nora ist bereit, alles für Joyce aufzugeben – verlässt mit ihm sogar ihre Heimat Irland, trotz seiner Weigerung, sie zu heiraten. Schwierige Jahre in Triest, Pula und Zürich folgen, geprägt von großer Armut, von Joyce‘ Trunksucht und von seinem labilen Gesundheitszustand, vor allem aber von seiner Besessenheit: Für ihn zählt nur sein literarisches Werk. Es ist Nora, die die Familie über Wasser hält und mit Joyce dem literarischen Durchbruch entgegenfiebert.

Inhalt:

Als großer Fan des irischen Schriftstellers James Joyce interessiere ich mich schon lange für seine Lebensgefährtin und Muse. Nora Barnacle wurde in Galway geboren und lernte James Joyce im Juni 1904 in Dublin kennen. Ihr Date vom 16. Juni 1904 ging als Bloomsday in Joyces Meisterwerk „Ulysses“ ein. Nora Barnacle gilt als Vorbild für Molly Bloom in „Ulysses“. Eine frühe, traurig endende Liebesgeschichte Noras fand verfremdet Eingang in die Kurzgeschichte „The Dead“ in „Dubliners“.

„Nora“ von Nuala O’Connor ist eine fiktive Autobiographie, geschrieben aus der Sicht von Nora in der 1. Person. Die einzelnen Kapitel haben Titel, Orts- und Zeitangabe. Das Buch beginnt am 16. Juni 1904 und endet mit dem Tod von Nora im Jahr 1951, zusätzlich gibt es Rückblicke in Noras Kindheit und Jugend.

Nur vier Monate, nachdem sich Nora Barnacle und James Joyce kennenlernen, fliehen sie vor der Lähmung, die James Joyce im streng katholischen und von den Briten besetzten Irland empfindet, nach Europa. In Triest finden sie ein erstes Zuhause. Dort werden ihre Kinder Giorgio und Lucia geboren. Später leben sie in Pula, Rom, Paris und Zürich. Ihr Leben ist anfänglich von großen finanziellen Schwierigkeiten und vielen Umzügen geprägt. Die beiden bleiben trotz regelmäßigem Streit (James Joyce vertrinkt das Geld, das sein Bruder für die Familie verdient) und großen Unterschieden im Bildungsniveau ein Leben lang ein Paar, heiraten aber erst 1931, um ihren Sohn zu legitimieren. Das Temperament und die Willensstärke Noras kollidieren mit der schwierigen Selbstbezogenheit von Joyce. Joyce ist rasend eifersüchtig auf Nora. Die beiden schreiben sich, wenn sie getrennt sind, hitzige und anzügliche Liebesbriefe, die man hier nachlesen kann. Abgesehen von intimen Einblicken in die Beziehung der beiden gewährt das Buch tiefe Einblicke in die Zeitgeschichte und in die Begegnungen mit anderen Literaten und Künstlern. So ging der junge Samuel Beckett, zum Beispiel, längere Zeit bei den Joyces ein und aus. Man erfährt en passant Einiges über die Geschichte Irlands und Europas in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Das Paar steht für moderne, europäische, fast nomadische Menschen, die sich immer wieder neuen Gegebenheiten anpassen und sich mit diesen abfinden: mit James Joyces schlechten Augen, mit der Geisteskrankheit ihrer Tochter Lucia.


Mein Fazit:

Ob es der echten Nora Barnacle zuzutrauen gewesen wäre, eine Autobiographie zu schreiben, kann man bezweifeln, war sie doch kaum mit Literatur vertraut, von den Texten ihres Lebensgefährten überfordert, las selbst am liebsten Groschenromane und schrieb ihre Briefe ohne Interpunktion. Aber Nuala O’Connor gelingt es glaubwürdig, ihre Sprache (mit dialektalen Einschlägen), Emotionen und Gedanken zu Papier zu bringen, sodass man sich schnell in das Leben der Familie Joyce gezogen fühlt. Es kommt einem oft so vor, als spräche Nora durch die Jahrzehnte direkt zu ihren Leser*innen über zeitlose Themen wie Liebe, Treue, Familie und Heimat.

Nora ist eine eigensinnige und starke Frau, die man gerne begleitet. So möchte man, nachdem das Buch mit den Worten „together we walk on“, die den Kreis zum ersten Kapitel schließen, endet, den Weg weiter mit Nora gehen. Der Film „Nora“ mit Susan Lynch und Ewan McGregor in den Hauptrollen sowie die Biographie „Nora: The Real Life of Molly Bloom“ von Brenda Maddox stellen Nora in den Mittelpunkt und sind ebenfalls sehr empfehlenswert.

„Nora: A Love Story of Nora and James Joyce“ von Nuala O’Connor kann im Bereich „O – Sprache“ im 2. OG der Zentralbibliothek entliehen werden.



 

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