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Dracula
LIEBE IST STÄRKER
ALS DER
TOD
DRACULA ROMAN
VON BRAM STOKER


VORGESTELLT
VON STEFAN DEHLER
UND
CHRISTOPH HUBER

Der Albtraum vom ewigen Leben:
Bram Stokers "Dracula",
vorgestellt von Stefan Dehler und Christoph Huber

Wiederholung
Impressionen von der Premiere am 15.01.2010

Sie sind aus der Riege der mythologischen Superstars nicht mehr wegzudenken: Vampire. Die blutsaugenden Untoten erweisen sich als bemerkenswert vital. Von modischen Eintagsfliegen kann dabei nicht die Rede sein. Das Interesse eines breiten Publikums an den geheimnisvollen Kunstfiguren ist seit gut einhundertfünfzig Jahren ungebrochen. Die Popkultur spricht da eine unmissverständliche Sprache. Betrachtet man das Angebot in den Buchhandlungen und die Programme der Kinos lässt sich feststellen: Vampire sind allgegenwärtig. Es vergeht kein Jahr, ohne ein bestsellerlistenstürmendes Buch, das die unheimlichen Wesen zum Thema hat. Auch im Kino wird der Mythos in immer neuen Varianten zelebriert. Vampire tummeln sich in allen Kunstsparten und Genres. Sie sind Gegenstand philosophischer Betrachtung und wissenschaftlicher Forschung.

Dabei war es ein langer Weg vom ersten Auftreten in Märchen und Sagen bis hin zu den Hauptrollen in Buchbestsellern und in den Leinwanddramen und Actionfilmen Hollywoods. Die zahllosen Rollen und Verkleidungen, in denen die fiktiven Untoten einem heutigen Massenpublikum begegnen, verbergen jedoch nur unzulänglich den immer gleichen mythologischen Konflikt, der mit ihrer Existenz verbunden ist. Der Vampir ist stets ein Parasit der lebendigen Welt - und er leidet stets daran. In ihm ist der alte Menschheitstraum vom ewigen Leben pervertiert. Das Nicht-sterben-müssen ist in den Geschichten über die Untoten zu einer furchterregenden Utopie, ja zu einer hochmoralischen Mahnung an die Lebenden geworden. Das Vampirdasein beruht auf einem Pakt mit dem Teufel. Es ist ein Gegenentwurf zur dienenden, aber lustvoll erlebten Existenz der Engel. Der Vampir ist immer ein Handlanger des Bösen, und wie jeder, der einen Vertrag mit dem Teufel gemacht hat, zieht auch der Vampir am Ende den Kürzeren. Er hat im Tausch gegen die unsterbliche Seele die begehrte körperliche Unsterblichkeit erlangt. Das hebt ihn über die menschliche Existenz. Kalt lächelnd betrachtet er die kleinen und großen Ängste und Sehnsüchte der kurzlebigen Menschen, er sieht Jahrhunderte vorbeiziehen, Weltreiche entstehen und fallen. Aber gleichzeitig wirft diese Art der körperlichen Unsterblichkeit den Vampir auf den Rang eines niederen Lebewesens zurück. Die Welt kann der Vampir immer nur durch die Schlüssellochperspektive und stets im Abglanz des Lichtes wahrnehmen: Er ist in einer Hölle eingeschlossen. Sein ganzes Dasein wird von der unstillbaren Gier nach Blut und vor der Angst vor dem zerstörerischen Tageslicht bestimmt. Wie ein Junkie hängt er vom Blutstrom seiner Opfer ab, die er nachts überfallen und töten muss. Perfiderweise hat ihnen der Teufelspakt starke Gefühle belassen. In ihren Herzen nähren die Vampire die Sehnsucht nach sozialer Teilhabe, oft sogar eine Zuneigung zu einem einzelnen Menschen, heimliches erotisches Verlangen, Liebe - aber sie müssen asoziale Bestien bleiben. Egal, was ein Vampir weiß und wünscht: Am Ende muss er töten, und in jeder seiner grauenvollen Mordtaten schwingt paradoxerweise eine leise Hoffnung nach dauerhafter Erlösung mit.

Die prägendste Form des Vampirmythos schuf 1897 der irische Schriftsteller Bram Stoker mit dem Roman Dracula. Er kann zwar nicht als dessen Erfinder bezeichnet werden, aber er gestaltete die Figur des eleganten Todesengels, der seine Bestialität hinter formvollendetem Auftreten verbirgt, so eindrücklich, dass sie zu einem literarischen Welterfolg und in Folge zu dem heutigen popkulturellen Phänomen wurde. Stoker, der hauptberuflich als Beamter der Dienstaufsichtsverwaltung der Justizbehörde arbeitete, war nebenberuflich als Journalist, Theaterkritiker und Autor von Erzählungen und Romanen tätig. Den Erfolg seines Buches erlebte er nicht mehr. 1912 starb er fünfundsechzigjährig in bescheidenen finanziellen Verhältnissen in London.

Stefan Dehler und Christoph Huber stellen mit Bram Stokers Dracula das Urbild aller nachfolgenden Vampir-Romane in einer szenischen Lesung vor. Sie begeben sich auf eine Spurensuche nach den Quellen des Mythos, führen die Zuschauer in die unheimliche Bergwelt der Karpaten und tief ins Herz der Finsternis: das Schloss des unsterblichen Grafen Dracula. Mit dem sich selbst aus der Einsamkeit Transsilvaniens befreienden Vampir betreten sie das viktorianische England an der Schwelle zur Moderne und entdecken eine Liebesgeschichte, deren tragischer Ausgang durch die Wesensverschiedenheit und den sozialen Stand der Beteiligten vorherbestimmt ist.

Freitag, 23. April 2010, 20:00 Uhr, Zentralbibliothek
Eintritt 15,- EUR incl. Kleinigkeiten mit Biss vom Gauss-Restaurant am Theater
Eintrittskarten sind an der Information im Erdgeschoss der Zentralbibliothek erhältlich.

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Göttingen - Stadt, die Wissen schafft © Stadtbibliothek Göttingen
Stand: 01.02.2010
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